Schwabing Nord: 70+ Mieter müssen raus

von SweetHome GmbH (Kommentare: 0)

Mehr als 70 Mietern wird von heute auf morgen das Mietverhältnis gekündigt-ganz ohne Vorwarnung.

Genau das passierte in der Wohnanlage Sailerstraße 11 in Schwabing.

Hier erhielten die Mieter am Morgen des 1. Aprils ein Kündigungsschreiben samt Gutachten eines Sachverständigen.

Nach Ablauf des Erbbaurechtsist seit Ende 2014 die Orth & Sohn GmbH & Co. KG Eigentümer der Wohnanlage.

Als Begründung der Kündigung wird die „wirtschaftliche Verwertung“ dargelegt-die Mieterträge sind Den Vermietern zu niedrig. Das Gutachten beschreibt den aktuellen Standard der 65 Jahre alten Gebäude. Die Haustechnik ist veraltet, Küchen und Bäder sind für heutige Verhältnisse veraltet und zu klein und die PVC Böden sowie die Dachdeckung seien durch vorhandenen giftigen Asbest Anteile stellen ein Gesundheitsrisiko.

Michael Germann und Gregor Farganis, zwei langjährige Mieter (seit 17 und 13 Jahren) in der Anlage, wollen sich wehren.

"Das ist doch alles nicht neu. Dass die Häuser alt sind, wissen die seit Jahren", sagt Germann.

Auch Geschäftsführerin des Münchner Mietervereins, Beate Marschall, bezweifelt, dass die Gebäude im jetzigen Zustand unbewohnbar sind. Sollten die Wohnungen tatsächlich asbestverseucht sein, könnten die vorigen Vermieter für fahrlässige Körperverletzung zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem könnten die Schadstoffe auch ohne eine dauerhafte Räumung der Wohnungen beseitigt werden.

Unter den Mietern waren unter anderem etliche ältere Personen. Michael Germann erinnert sich an eine Frau, nach Erhalt des Schreibens am Briefkasten zusammengebrochen sei.

Nachdem Sie die Stimmung unter Mietern in den Keller sinken sahen, gründeten die beiden Mieter am 30. Juli eine Mietergemeinschaft initiiert zu der bereits die Hälfte der Mieter beigetreten sind.

Ein Abriss des Gebäudes wurde noch nicht genehmigt.

Zudem sei die Kündigung in der vorliegenden Form laut Beate Marschall ungültig.

"Aus unserer Sicht versprechen sich die Eigentümer mit dem Argument der angemessenen wirtschaftlichen Verwertung nach Paragraf 573, Absatz 2 Nummer 3, des Bürgerlichen Gesetzbuches vor allem höhere Mieteinnahmen. Und das ist etwas, was das Gesetz nicht vorsieht“ Bereits in Absatz 1 des Paragrafen heißt es: "Die Kündigung zum Zwecke der Mieterhöhung ist ausgeschlossen."

Die Immobilienverwaltung Orth & Sohn GmbH & Co. KG argumentiert dagegen: schließlich sei die Erbbaurechtsgemeinschaft für den Zustand der Häuser über die vergangenen Jahrzehnte verantwortlich.

Die Astbestbelastung wurde mittlerweile durch ein Laborgutachten bestätigt. Da während der Sanierung niemand in den belasteten Wohnungen bleiben kann, ist eine Räumung somit unumgänglich, so streng es sich auch auf die Mieter auswirkt. Im Zuge dieser Arbeiten sollen laut der Orth & Sohn GmbH & Co. KG Mängel an der Fassade sowie falsch eingebaute Fenster korrigiert und energetische Optimierungen durchgeführt werden. Es seien jedoch weder Eigentums- noch Luxuswohnungen geplant.

Eine anderweitige Unterbringung für den Sanierungszeitraum wäre für die Eigentümer GmbH unzumutbar denn die Dauer Arbeiten wird auf ca. ein Jahr geschätzt.

Jedoch erhalten die Mieter verlängerte Nutzungsfristen: Bewohner des Rückgebäudes müssen Ihre Wohnungen bis Ende diesen Jahres, die Mieter des Vordergebäudes bis Ende 2016 verlassen.

Quelle: SZ Online (E. Draxel)

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